Weiterbildungskonzepte



Systemisch-integrative Therapie/Familientherapie
Die diesem Ansatz zugrunde liegende philosophische Richtung ist der Konstruktivismus (Vgl. Heinz von Förster, Ernst von Glasersfeld, Paul Watzlawik, Martin Wainstein, Steve de Shazar, Fritz Simon u.a.) sowie die Theorie der Autopoiesis (H. Maturana) und der System- und die Kommunikationstheorie. Auf diesen Grundlagen wird ein beziehungsdynamisches Konzept favorisiert, das sowohl interaktionelle als auch intrapsychische Prozesse mit einbezieht (Virginia Satir, Martin Kirschenbaum, Gunther Schmidt, Albert Pesso u.a.). Das generelle Behandlungsziel ist somit sowohl der Aufbau einer integrativen Struktur auf der individuellen Ebene als auch der Aufbau einer integrativen Struktur auf der familialen Beziehungsebene. Wir vermitteln und lehren in allen Teilen der Weiterbildung diese Zielsetzung als einen eigenständigen Weg zur Behandlung von Paaren und Familien.

Unsere TeilnehmerInnen lernen, Problemlagen, Symptome und Krisensituationen unter den Aspekten der Selbstorganisation, aus dem Systemzusammenhang des jeweiligen Beziehungsgefüges und aus der Familiengeschichte heraus zu analysieren, zu verstehen, zu kommunizieren und zu verändern.

Es werden verschiedene problemlösende Handlungsstrategien zur konstruktiven Begleitung und Bewältigung von Erziehungsschwierigkeiten, Beziehungskonflikten und emotionalen Verstrickungen im Allgemeinen sowie eine Vielzahl von spezifischen Symptomatologien und psychosomatischen Störungen dargestellt und erprobt. Für die Bearbeitung akuter und chronifizierter Krisen vermitteln wir ein vielfältiges und effizientes Methodenspektrum.


Systemisch-integrative Kindertherapie
Wir meinen, dass persönliche Entwicklung und individuelle Stärke dann möglich sind, wenn die Eigenschaften und Fähigkeiten eines Kindes oder eines Erwachsenen, eines Paares oder einer Familie gut zusammenwirken können und integriert sind.

Systemisch-integrativ mit einem Kind zu arbeiten bedeutet, auf Entdeckungsreise zu gehen, in das Reich seiner inneren Schätze und Werte, die aufgrund von Verletzungen gut versteckt und geschützt sind. Dies ist immer auch eine Reise durch die Welt der kindlichen Gefühle. Zu Beginn begegnet uns (fast) immer Angst oder Trotz. Und weiter geht die Öffnung des Kindes nur, wenn wir ihm diese seine Schutzmechanismen verbunden mit den Symptomen nicht nehmen oder wegmachen. Hinzufügen und bereichern durch die gemeinsame Entdeckung der eigenen inneren Schätze und Werte (Selbstwert) erhöht das Selbstvertrauen in verschüttete oder wiederentdeckte oder in ganz neue Eigenschaften, Fähigkeiten und Gefühle (Ressourcen).

Der systemisch-integrative Therapieprozess ist also ein Selbstfindungsprozess, bei dem das Kind aktiv beteiligt ist. Wenn das Kind seinen inneren Wert (wieder-) entdeckt hat und ihn annimmt, braucht es keine Symptome mehr und das Angstgefühl kann mit anderen wichtigen Gefühlen kooperieren, z.B. mit dem Mut, der Neugier, der Risikofreude oder der Sicherheit Ja und Nein sagen zu können.

Zum Ende der Therapie hin weiß und spürt das Kind dann, dass es einmalig ist und vielseitig.

Oft ist die Zusammenarbeit mit der ganzen Familie unentbehrlich, damit die Familie dem Kind die notwendigen Entwicklungsschritte erlaubt und das Kind gleichzeitig aus seiner Verantwortung für die beziehungsdynamischen Belange der Familie entlassen wird. Wir lehren deshalb, familienorientiert zu arbeiten.

Unter einem familienorientierten Ansatz verstehen wir, im Gegensatz zu einer begleitenden Elternberatung, die vollständige Einbeziehung der Familie (oder der Teilfamilie) in den Behandlungsprozess des Kindes. Wir gehen davon aus, dass ein Kind seine Familie beeinflusst und umgekehrt von dieser beeinflusst wird. Dies bedeutet auch, dass die Symptomatik des Kindes meistens nur sinnvoll im Zusammenhang seines Familiensystems verstanden und verändert werden kann.

Wichtig für den kindertherapeutischen Veränderungsprozess ist die Kenntnis der bestehenden Regeln der Kommunikations- und Beziehungsgestaltung im Familiensystem, um behindernde, z.B. emotional belastende oder verstrickende Beziehungsmuster auflösen zu können. Erst hierdurch können neue Ressourcen und Energien sowohl intrapsychisch beim Kind als auch im Familiensystem freigesetzt und für das Erreichen wünschenswerter Zielzustände genutzt werden.

Die systemisch-integrative Kinder- und Jugendlichentherapie bietet ein vielfältig-kreatives und methodenübergreifendes Handlungsspektrum, um unsere grundlegende therapeutische Zielrichtung zu realisieren: Den Aufbau einer integrativen Struktur auf der intrapsychischen und auf der interpersonalen Beziehungsebene.



Systemische Supervision
Wir lehren systemische Supervision als innovativen Prozess zur zieldienlichen Optimierung von Beziehungsgestaltung in unterschiedlichen organisationalen Kontexten.

Szenario 1: Fallarbeit

Darstellung, Analyse (auch Kontext- und Organisationsanalyse), Reflexion, Evaluation und Neuorganisation der Beziehungsgestaltung professioneller Beziehungen zwischen Therapeuten- und Klientensystemen bzw. zwischen Berater- und Kundensystemen

Szenario 2: Selbstthematisierung

Darstellung, Analyse (auch Kontext- und Organisationsanalyse), Reflexion, Evaluation und Neuorganisation intrapsychischer Selbstorganisationsprozesse zur Optimierung zieldienlicher beruflicher Handlungskompetenz. Hier geht es darum, die Selbstwirksamkeit in professionellen Kontexten zu verbessern.

Szenario 3: Organisationsanalyse

Darstellung, Analyse, Reflexion, Evaluation und Neuorganisation von institutionsbezogenen Prozessen, z.B. Teamdynamiken, Organisationsprozessen: Führung, Veränderung, Entscheidung, Strategie etc.

Szenario 4: Ausbildungssupervision

Neben den oben genannten Vorgehensweisen wird hier der Supervisionsprozess in systemisch-integrativer Methodik ausgerichtet, um die Handlungskompetenz der TeilnehmerInnen konzeptionell weiter zu entwickeln.

Die Szenarien 1 – 3 können sowohl als Einzelsupervision oder Einzelcoaching oder auch als Gruppensupervision oder Teamcoaching durchgeführt werden. Das 4. Szenario wird klassischer Weise als Gruppenveranstaltung durchgeführt.
Supervision setzt Aufklärungs- und Veränderungsprozesse in Gang, z.B. durch den Einsatz ressourcen- und lösungsorientierter Konzepte.

Ein vielfältiges Methodenspektrum steht zur Verfügung, um Fallsupervisionen durchzuführen, Teamentwicklungsprozesse einzuleiten und zu begleiten und um zieldienliche Entwicklungs- und Verbesserungsprozesse in Organisationen zu realisieren.

Systemische Supervision ist in der von uns angebotenen Form immer

  • prozessorientiert und ergebnisorientiert
     
  • kompetenz- und ressourcenorientiert
     
  • kontextorientiert
     
  • ziel- und lösungsorientiert und beinhaltet die Auswirkungsüberprüfung potenzieller Lösungen.


Systemisches Coaching
Arbeits- und persönliche Lebenswelten verändern sich permanent. Hieraus resultiert die steigende Nachfrage nach Coaching für Fach- und Führungskräfte in Wirtschaftsunternehmen ebenso wie in not for profit Organisationen. Auch bei Freiberuflern und Selbständigen wächst der Bedarf nach Coaching, denn die Notwendigkeit, sich immer wieder neu zu orientieren und neu zu positionieren, wichtige Entscheidungen zu treffen, mit Konflikten umzugehen, Probleme zu lösen oder das Lebensgefühl ins Gleichgewicht zu bringen, macht eine professionelle Beratung durch Coaching immer häufiger sinnvoll und erforderlich.

Systemisches Coaching fokussiert die Aufmerksamkeit der Beteiligten auf Potenziale, Kompetenzen, Kraftfelder, Ressourcen und auf zieldienliche Lösungen. Das Zusammenspiel solcher Elemente wird neu, anders oder besser reorganisiert, neu verknüpft und integriert, um wünschenswerte Zielzustände und Ergebnisse zu generieren.

Systemisches Coaching entscheidet nicht über richtig oder falsch, sondern evaluiert im Beratungsprozess immer wieder den Nützlichkeitsfaktor für das Kundensystem.


Fachaufsatz von Walther Cormann
Die Bedeutung der Aufmerksamkeitsfokussierung für die  Lösung von Problemen
 
Walther Cormann

Kein Mensch kann die Gesamtheit der Realität erfassen. Was wir sehen sind immer nur Ausschnitte, winzige Aspekte des Ganzen. Gerade deswegen ist es von besonderer Bedeutung, den Wahrnehmungsprozess genauer zu betrachten, um sich seiner bewusst zu werden. Die Fokussierung von Aufmerksamkeit ist von entscheidender Wichtigkeit für die inneren Erlebniszustände eines jeden Menschen. Wie ich auf die Welt schaue bestimmt mit wie sich meine persönliche Wirklichkeit darstellt. Diese Beschreibung basiert auf den Ergebnissen der Erkenntnistheorie des Konstruktivismus (vergl. Humberto Maturana, Heinz von Foerster, Ernst von Glasersfeld, Paul Watzlawik, Fritz Simon u.a.)., die in der Prämisse mündet:

Jeder Mensch konstruiert sich seine eigene Wirklichkeit, die über sich selbst, also sein Selbstbild und die über seine Außenwelt (Kontext/relevante Umwelt).

Hierzu ein Beispiel: Sie kennen vielleicht die Geschichte mit dem Glas, das zur Hälfte mit einem Getränk gefüllt ist. Für die eine Person ist dieses Glas bereits halb leer, für die andere hingegen noch halb voll. Bitte überprüfen Sie selbst: Worin besteht der Unterschied dieser unterschiedlichen Betrachtungsweisen?

Jeder Mensch konstruiert sich seine eigene subjektive Realität. Aus dieser Annahme ergibt sich die Feststellung, dass über die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit eines Menschen nicht in erster Linie sogenannte objektive Fakten entscheiden, sondern primär die Art der Beobachtung, die Beschreibung dieser Beobachtung sowie ihre Bewertung. Wenn aber die äußere Realität innerlich rekonstruiert wird, dann kann demnach durch eine Veränderung dieser inneren Wirklichkeitskonstruktion ein anderer, z.B. wünschenswerter, also irgendwie besserer, innerer Zustand hergestellt werden, der sich wieder in einer besseren Resonanz der Umgebung auswirken kann. Die hier beschriebenen Abläufe haben viel mit der Organisation der Selbstorganisation zu tun und diese regiert nicht nur die Befindlichkeit der jeweiligen Personen, sondern auch die größerer Systeme. Abteilungs- und Projektleiter, Lehrer oder Ärzte, Berater und Trainer und natürlich in besonderem Maße Eltern, sie alle wirken mehr oder weniger durch ihre Realitätssicht auf andere ein, gewollt oder ungewollt, besonders in Abhängigkeitsverhältnissen und Hierarchien.

Die Regulation solcher Selbstprozesse wie Wahrnehmung, Kommunikation und Verhalten im Sinne von Handeln ist durch historische Entwicklungen, Erfahrungen und Glaubenssätze geregelt. Solche Regeln (belief systems) wirken meistens unreflektiert und können, bezogen auf eine definierte Zielvorgabe, eher konstruktiv oder eher destruktiv wirksam werden. In jedem Fall sind sie für die Person oder ein größeres System wie eine Familie oder ein Team eine Orientierungsgrundlage und noch existentieller ausgedrückt: eine (Lebens-) Bewältigungsstrategie.

Selbstorganisationsprozesse in Familien- und anderen sozialen Systemen orientieren sich an entwickelten, tradierten, gelernten bzw. kommunizierten Regelsystemen, die sowohl eher konstruktive als auch eher destruktive Prozesse erzeugen können.


Um Problemlösungsprozesse zu entfalten betrachten wir die Selbstorganisations-prozesse lebender Systeme. Es handelt sich hierbei um die Analyse von wechselseitigen, rückbezüglichen und zirkulären Kreislaufprozessen im zwischenmenschlichen Miteinander, die sich als Beziehungsmuster und Kommunikationsabläufe beobachten und beschreiben lassen und aufgrund derer eine zieldienliche Entwicklung oder Veränderung eingeleitet werden kann.

Dadurch dass der Umgang mit einem als von einem Beobachter (Kunden) als Problem definierten Verhalten nicht zu einem wünschenswerten Ergebnis geführt hat, wird ein Zustand als Problem erlebt und beschrieben. Denn hätte der Umgang mit dem so definierten Problem zu einer Lösung geführt, hätte man kein Problem, sondern eine aktuelle Schwierigkeit gemeistert.


Der Umgang mit einem Problem, also das Problemmuster, begründet dessen Aufrechterhaltung oder Verstärkung.

Albert Einstein hat einmal folgende Aussage zum Besten gegeben: „Ein Problem kann nicht mit denselben Denkansätzen gelöst werden, durch die es entstanden ist“ Das bedeutet – und ich möchte mich dieser Sichtweise anschließen und diese hier zieldienlich erörtern – dass wir neue Denkansätze brauchen, um vorhandene Probleme – oder besser: als Problem definierte Wirklichkeiten – zu nutzen und zielförderlich zu lösen.

Hierzu eine kleine und sehr gut passende Anecktode, die mir kürzlich ein Lehrer in Holland erzählt hat.

Ein Schüler, ca. 13 Jahre alt, schwänzte ständig den Unterricht und trieb sich statt dessen in der Stadt herum. Zuerst wurden die üblichen Strafen durchexerziert wie Nachsitzen, Strafarbeiten, Androhung eines Schulverweises etc. Das alles half allerdings, wie man sich denken kann, wenig. Es geschah – natürlich in bester Absicht seitens des Lehrpersonals – nach dem Muster „mehr desselben“. Dieses Muster, und das können wir hier als zweite Prämisse festhalten, ist nahezu immer eine Scheiterstrategie, auch in diesem Fall. Die Schulleitung hatte dann eine mutige Idee, denn es wurde die Frage erörtert, welche Kompetenzen der Junge in seinem Verhalten zeigen würde. Dabei kam einiges heraus: Ein hohes Maß an Autonomie und Selbständigkeit, klare Prioritäten zu haben und danach zu handeln, Willenstärke und, so wurde vermutet, gute geografische Stadtkenntnisse. Also beschloss man, an diese Fähigkeiten des Jungen anzukoppeln, um sie zu nutzen und somit ein vollkommen anderes Beziehungsangebot zu realisieren. Mit dem Jungen wurde vereinbart, dass er Botengänge für die Schule, die Schüler und die Lehrer machen sollte, also Erledigungen, die die anderen nicht machen konnten, weil diese ja in der Schule anwesend waren. Über dieses Vorgehen war es möglich, die Stärken in einem zunächst als Problem definierten Handeln wahrzunehmen und gewinnbringend für beide Seiten zu nutzen. Aus einer Problemsituation wurde somit eine sogenannte Win-win-situation.

Ausschlaggebend waren hierbei mindestens 5 Faktoren:

  • Querdenken statt mehr desselben
     
  • Aufmerksamkeitsfokussierung auf Fähigkeiten und Ressourcen
     
  • positive Problemumdeutung und Problemutilisierung
     
  • Fokussierung auf eine Lösung 2. Ordnung: Es wurde eine kooperativ-nützliche Beziehungsgestaltung angestrebt
     
  • und die Intention der Intervention war auf Vertrauen aufgebaut

Hieraus lässt sich eine weiter Prämisse ableiten:

Die Intention einer Intervention oder Veränderungsmaßnahme ist die wichtigste Einflussgröße für erfolgreiches Gelingen.

Die Absicht einer Intervention ist im Normalfall für alle Betroffenen sinnlich-emotional wahrnehmbar. Somit ist nachvollziehbar, ob eine Intention eher auf Kontrolle oder Reglement von Verhaltensweisen abzielt oder aber auf die Verbesserung einer aktuellen Spannung oder Problemlage.

Probleme entstehen nicht von alleine. Sie werden konstruiert. Was für den Einen ein Problem darstellt, bemerkt ein Anderer überhaupt nicht. Ob ein Ereignis zu einem Problem wird, hängt von der eigenen Wirklichkeitskonstruktion ab. Diese wird gespeist von der Art der Wahrnehmung. Auf was ist diese fokussiert? Die Steuerung der Wahrnehmung gehört zu den bewusst regulierbaren Selbststeuerungsprozessen des Menschen. Somit ist die Zuschreibung eines Ereignisses als Problem das Produkt dieser Selbstorganisation. Man hätte auch stattdessen die Wahrnehmung auf etwas anderes richten können, aber...

Worauf ist die Wahrnehmung im Familiensystem gerichtet? Die Beantwortung dieser Frage hat besondere Konsequenzen für die erfolgreiche Durchführung von Problemlösungsprozessen und Veränderungsprozessen. Ist die Aufmerksamkeit z.B. mehr auf Fähigkeiten und Potenziale fokussiert oder aber mehr auf Probleme, Defizite und Mängel?

Die Wahrnehmungsfokussierung auf Defizite und ihre Kommunikation im Beschwerdestil schafft Misstrauen und trägt damit zum Problemerhalt bei. Die Würdigung der geleisteten Beiträge erhöht hingegen die Motivation und das Vertrauen.

Ein Problemzustand ergibt sich allgemein definiert aus einer Ist-Soll-Diskrepanz. Etwas ist nicht so wie es sein sollte und diese Diskrepanz wird als Problem gesehen oder erlebt. Die Interventionsabsicht herkömmlicher Weise besteht dann darin, die Diskrepanz zu beseitigen, indem das Problem eliminiert oder reduziert werden soll. Hierzu werden in der Vielfalt der Fälle solche Lösungsversuche in Anwendung gebracht, die das Problemverhalten direkt angehen, es zugespitzt gesagt bekämpfen. In diesem Falle handelt es sich um Lösungen 1. Ordnung (P. Watzlawik). Bei Lösungen 1. Ordnung wird allerdings nur die Spitze des Eisbergs gesehen und die Verursachung entsprechend fehlinterpretiert, so als wenn Kopfschmerzen ein Zeichen von Aspirinmangel wären.

Es beginnt die übliche „Tour de problèm“. Hierzu folgendes Szenario:

Stellen sich Sie doch bitte einmal vor, Sie wären das Problem, ja, das Problem. Wie würde es Ihnen gehen? Was würden Sie dann wahrnehmen, wie würden Sie sich verhalten. Mit Sicherheit würden Sie feststellen: es kreist alles um Sie, Sie sind im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und gleichzeitig will man Sie loswerden. Mit anderen Worten: Als Problem hat man es auch nicht leicht, erhält aber viel Aufmerksamkeit. Ständig ist man in Gefahr, man soll reduziert werden, verändert werden oder am besten ganz eliminiert werden. Wie verhält man sich dann am besten als Problem? Man könnte sich tarnen, verstecken, sich verleugnen oder sich gar unentbehrlich machen (das chronifizierte Problem) etc. um sich einigermaßen sicher zu fühlen.


Hat Sie eigentlich schon mal einer gefragt, was ihre Absicht ist, wozu es Sie gibt, welchen Nutzen Sie haben als Problem? Nein? Ist doch eigentlich schade, oder? Wie würde es Ihnen als Problem anders gehen, wenn Sie eine andere Art von Wichtigkeit erfahren würden, z.B. eine, die die Notwendigkeit Ihrer Existenz voraussetzt, mindestens so lange es keine bessere Alternative gibt oder geben darf?


Typischer weise organisiert sich ein System um das Phänomen Problem herum, so dass die gesamte Aufmerksamkeit auf solche redundante Denk- und Handlungsmuster reduziert ist, die wiederum das Problem im Zentrum haben. Alternative Sicht- und Handlungsmöglichkeiten werden somit ausgeblendet und stehen zur Problemlösung nicht zur Verfügung. Der Umgang mit dem Problem reduziert sich auf bisher vergeblich eingesetzte Interventionen in der Hoffnung, endlich zu wirken, wenn man nur genug davon zum Einsatz bringt.

Völlig vernachlässigt ist dabei die Betrachtungsweise, dass das definierte Problem einen Nutzen haben kann und somit der Umgang mit dem Problem eine andere Richtung bekommt. Statt ein „mehr desselben“ (Watzlawik) als Problemmuster zu chronifizieren und damit die Problemkultur ständig mit Nachschub zu versorgen, wird durch die Problemutilisierung das bisherige Umgangsmuster mit dem Problem unterbrochen. Statt „mehr desselben“ ist es nun möglich auf etwas völlig anderes zu fokussieren und somit andere Handlungsweisen aufzubauen.

Die Problemutilisierung ist also mit anderen Worten der Beginn des Querdenkens. Hierzu einige Kostproben:

  • welche Ressourcen und Potenziale sind im Problemverhalten/Lösungsversuch enthalten?
     
  • für welche Ausganglage ist das hier präsentierte Problem ein Lösungsversuch?
     
  • für welche verdeckten Absichten oder Ziele könnte das Problem/der Lösungsversuch als kompetente Intervention verstanden werden?
     
  • was könnte getan werden, um das Problem nicht zu lösen? etc.

Durch die Bearbeitung dieser und weiterer Querdenker-Fragestellungen wird auf eine Musteränderung der bisherigen Art und Weise des Umgangs mit dem Problem abgezielt. Dies geschieht in einer neuen Aufmerksamkeitsfokussierung bzw. Betrachtungsweise und einer neuen Bedeutungsgebung. Die Bedeutungsgebung besteht in einer Sinnstiftung für das Problem in einem größeren Kontext: Es ist nicht zufällig da, es hat einen Sinn und wir können ihn nutzen, um schon jetzt, also ab sofort, auf den wünschenswerten Lösungszustand zu fokussieren. Bitte erinnern Sie sich: Die Art und Weise wie wir die Wirklichkeit wahrnehmen und diese kommunizieren ist eine Intervention. Sprechen einzelne Familienmitglieder über Probleme, entsteht sofort ein spezifisches Problemerleben, ein Problemdenken und Problemverhalten (z.B. Beschuldigungen, Rechtfertigungen etc.). Verändert sich die Wahrnehmung und damit die Kommunikation auf wünschenswerte Zielzustände hin, dann wird zukünftig die Aufmerksamkeit der Beteiligten auf Lösungsfähigkeiten gerichtet.


Optimal wäre diese ehrlich gemeinte Aussage:

„Gut, dass es dieses Problem einmal gegeben hat, denn es hat uns dazu verholfen, verschiedene Aspekte des Selbst, der Umgebung, des Kontextes etc. heute anders zu betrachten und besser zu handhaben. Hätten wir das Problem nicht gehabt, wir hätten es erfinden müssen!“

Starten Sie eine Reise in die Lösungszeit. Bringen sie die Zeit nach der Problemlösung ins Spiel, erfinden Sie neue Optionen, hypothetisieren Sie neue Reisemittel, um hierdurch neue und bessere Dimensionen von Lösungs- bzw. Zukunftsvisionen phantasievoll zu erschließen.
Viel Spaß dabei!


Walther Cormann

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